Schulsprengelbeschreibung

Die Schulsituation an der Grundschule Ravensburger Ring hat sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt in Hinblick auf:  
a) den sozialen Hintergrund der Schüler
b) die veränderte Persönlichkeitsstruktur der Schüler
c) die wirtschaftliche Umstrukturierung des Stadtviertels
d) ganztägige Betreuung bzw. Beschulung

Erläuterung:  
zu a) Die Klassen weisen einen Migrationsanteil von bis 75% auf. Dieser Migrationsanteil wird sich im nächsten Schuljahr weiter erhöhen, da der Kindergarten Ravensburger Ring bereits einen Migrationsanteil von 83% in seinen Gruppen nachweisen kann. (In der Ganztagsklasse beträgt der Migrationsanteil 95%)
Hinzu kommen 4 Deutschförderklassen (1./2.Klasse) und 7 Deutsch-Vorkurse, in denen die Schüler speziell im Umgang mit der deutschen Sprache gefördert werden.   
Der Anteil von bildungsfernen Elternhäusern hat sich stetig erhöht, dies betrifft nicht nur Migrantenelternhäuser, sondern ebenso, in besonderem Maße, deutsche Familien. Der wirtschaftliche Hintergrund vieler Familien ist problematisch, viele sind Sozialhilfe- oder Niedriglohnempfänger. Die Schüler weisen Auffälligkeiten auf, die auf der familiären, schlechten wirtschaftlichen Lage bzw. dem niedrigen Bildungshintergrund basieren, so z.B. Übergewicht, Diabetes, Mangelernährung, Vernachlässigung, Aggressivität usw. In beinahe jeder Klasse finden sich Eltern, die weder lesen noch schreiben können.  
In den Übergangsklassen (Migrationsanteil 100 %) befinden sich Schüler - reine Sprachanfänger - aus vielen verschiedenen Kulturkreisen, von denen jeder einzelne ein belastendes Schicksal hat, wie z.B. Traumatisierung durch Kriegserlebnisse, Flucht, Verfolgung, Kulturschock, Gewalt, mangelnde Anerkennung. Die meisten Schüler stammen aus Asylantenwohnheimen aus der Umgebung der Schule (Landsbergerstr. – Kastelburgstr. - Schöllstr.), in denen die beengten Wohnverhältnisse eine weitere Belastung für den schulischen Werdegang darstellen.    

zu b) Viele Schüler (bis zu 3 Schüler pro Klasse) leiden an ADS bzw. ADHS. Sie bekommen zum Teil Therapien und/oder Medikamente verabreicht. Ein weiterer Teil der Schüler zeigt massive Störungen in ihrer Persönlichkeit auf, meist bedingt durch ihren sozialen Hintergrund wie in Punkt a) dargelegt, z.B. geringe Frustrationstoleranz, Gewaltbereitschaft und motorische Störungen sowie Artikulationsprobleme.
Die Kinder verfügen immer weniger über soziale Kompetenzen und weisen häufig eine starke Ichbezogenheit auf. Auch wachsen immer weniger Kinder des Stadtviertels in vollständigen Familien auf. Die Anzahl Alleinerziehender (sozialer Wohnungsbau) steigt erschreckend schnell an. Immer seltener finden „normale“ Familienaktivitäten statt, da entweder keine Zeit vorhanden ist oder auch Eltern mit geringem Bildungshintergrund diese Aktivitäten nicht schätzen und nicht als erstrebenswert ansehen bzw. nicht kennen. Materielle Dinge stehen in der Rangliste dieser Eltern weiter oben.
Alleinerziehende werden mit den wachsenden Auffälligkeiten ihrer Kinder oft alleine nicht fertig, Hilfe wird zu wenig angenommen (sozialer Status) oder erfolgt zu spät.    

zu c)  Das Stadtviertel Neuaubing-Westkreuz veränderte sich sehr innerhalb der letzten Jahre, sodass parteienübergreifend vom Bezirksausschuss Neuaubing der Antrag an die Stadt München gestellt wurde, dieses Stadtviertel zum sozialen Brennpunkt zu erklären.
Flächendeckend wurde Industrie ins Viertel geholt (Stadt fand keine anderen Mieter?), die einen geringen Bildungsgrad erfordert (Gebrauchtwagenhändler, Bauindustrie, Möbelhäuser, Baumärkte usw.) oder reine Dienstleistungsgewerbe sind (Supermärkte, Friseurläden).
Die gutbürgerliche Schicht (Handwerker, Beamte usw.) wandert mehr und mehr ab (bzw. stellt Gastschulanträge an andere Schulen – wollen mit den „problematischen“ Schülern nicht in eine Klasse).
Für die Kinder steht nur eine geringe Auswahl von Freizeitangeboten zur Verfügung, die meisten Familien leben in den Hochhäusern um das Westkreuz (großer Anteil sozialer Wohnungsbau), sodass zum Teil sehr beengte Wohnverhältnisse ein Übriges tun.    

zu d)  Ca. 100 Schüler besuchen Ganztagsklassen, 110 Schüler sind nach dem Unterricht im Tagesheim betreut und ca. 40 Kinder gehen in die Mittagsbetreuung bis 14.30 Uhr bzw. 15.00 Uhr. 

Gerade im Tagesheim/Ganztagsbetrieb ist es wichtig, dass unsere Schüler, als Ausgleich zum intensiven ganztägigen Schulbetrieb, Bewegungsraum und Spielmöglichkeiten vorfinden. Leider reichen die bestehenden Ressourcen aus dem Gründungsjahr der Schule im Jahre 1974 (200 Schüler insgesamt) nicht mehr aus, um auf diese veränderten Bedingungen eingehen zu können. Die Stadt München hat dies zwar erkannt, aber aus Geldmangel bis heute keine Abhilfe geschaffen.
(Quelle: Grundschule am Ravensburger Ring)

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